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Essener Initiative raumschiff.ruhr hofft auf finanzielle Unterstützung

Landeskirche will neue Gemeindeformen fördern

In den nächsten zehn Jahren will die Evangelische Kirche im Rheinland einen zweistelligen Millionenbetrag investieren, um Kirche in neuen Formen näher zu den Menschen zu bringen – auch die Essener Initiative „raumschiff.ruhr“ will davon profitieren.

Die nicht nur in Essen sehnlich erwartete finanzielle Unterstützung neuer Gemeindeformen hat die Landessynode, das oberste Leitungsgremium der rheinischen Kirche, auf ihrer diesjährigen Tagung in Bad Neuenahr beschlossen. Außer einer Anschubfinanzierung in Höhe von insgesamt sechs Millionen Euro für die alternativen Gemeindeformen selbst sollen zusätzlich fünf neue Pfarrstellen für diesen Zweck eingerichtet werden – dafür werden Mittel in ähnlicher Höhe bereitgestellt. Zu den beispielhaften Projekten, die bereits erprobt werden, zählen neben dem „raumschiff.ruhr“ in Essen aktuell vor allem die „Beymeister“ in Köln und die „youcom“ Jugendgemeinde in Cochem.

Superintendentin Marion Greve, die selbst an der Landessynode teilnahm, äußerte sich unmittelbar nach dem Abschluss der Beratungen positiv über die Entscheidung und erhofft sich eine Förderung der Essener Initiative: „Über den Beschluss unserer Landessynode, neue und alternative Gemeindeformen innerhalb der Evangelischen Kirche im Rheinland zu unterstützen, freue ich mich sehr! Die Entscheidung ermutigt dazu, angesichts von Veränderungsprozessen in Gesellschaft und Kirchen neben der klassischen und vielfach gut funktionierenden Parochialgemeinde auch neue Gemeindeformen auszuprobieren: genau das, was wir im Kirchenkreis mit dem raumschiff.ruhr bereits seit Anfang 2016 ausprobieren“, sagte Marion Greve. „Ich bin sehr optimistisch, dass unsere Initiative an der Marktkirche alle nötigen Kriterien für eine Förderung erfüllt. Sobald unsere Landeskirche das entsprechende Vergabegremium eingerichtet und die erforderlichen Voraussetzungen festgelegt hat, wollen wir anteilige Finanzmittel für Personal- und Sachkosten beantragen; die mögliche Förderung umfasst bis zu 50 Prozent der Projektkosten und kann fünf Jahre lang gewährt werden.“ Sie sei sehr dankbar für eine Landessynode, die „mutig innovative Wege geht und sich dabei von der Vision einer Kirche inspirieren lässt, die aus ganz unterschiedlichen Gemeindeformen und Profilen bestehen kann!“, erklärte die oberste Repräsentantin des Kirchenkreises Essen.

Ebenfalls positiv nahm Marion Greve die Erklärung der Landessynode zur evangelischen Kinder- und Jugendarbeit zur Kenntnis: „In ihrem Beschluss sagt die Landessynode verlässliche Ressourcen für die wirksame Kinder- und Jugendarbeit zu. Die Schaffung, Erhaltung und Stärkung von Strukturen der Kinder- und Jugendarbeit soll als Gemeinschaftsaufgabe verstanden werden, die alle Ebenen der Kirchen miteinander verbindet – Kirchengemeinden, Kirchenkreise und Landeskirche.“ Der Beschluss fordere die Landeskirche zudem auf, sich stärker in Regionen und Gemeinden zu engagieren, die nur über geringe oder gar keine Mittel für eine eigene Kinder- und Jugendarbeit verfügten, und dafür auch ein entsprechendes Budget bereitzustellen. Ganz allgemein mache die Erklärung deutlich, „welch große Verantwortung wir als Kirche für die junge Generation haben“. Dies sei ganz im Sinne der Kirchenkreiskonzeption, die der Kirchenkreis Essen vor zwei Jahren beschlossen habe und die einer effektiven und erfolgreichen Jugendarbeit eine besonders wichtige Rolle beimesse.

Der Beschluss zur Kinder- und Jugendarbeit war auf einer Jugendsynode vorbereitet worden, die die Evangelische Kirche im Rheinland unmittelbar vor der Landessynode durchgeführt hatte – für die Essener Superintendentin eine ganz besondere Premiere: „Ich bin stolz darüber, dass unsere rheinische Kirche diese Form der Beteiligung als erste Landeskirche in Deutschland ermöglicht hat. Drei Tage lang wurde engagiert debattiert – und zwar nicht über junge Menschen und ihre Bedürfnisse, sondern mit ihnen – so, dass die jungen Teilnehmer selbst mitgestalten und mitentscheiden konnten. Die Beschlüsse der Jugendsynode haben die anschließenden Beratungen meiner Meinung nach erheblich qualifiziert. Dadurch hat auch der Appell, der Kinder- und Jugendarbeit zukünftig größere Aufmerksamkeit zu widmen, nachhaltigen Rückenwind erhalten.“

Stichwort: raumschiff.ruhr

raumschiff.ruhr nennt sich eine junge Glaubensinitiative des Kirchenkreises Essen, die im Mai 2016 ihren offiziellen Start in den unteren Räumen der Marktkirche feierte und jungen Kreativen einen Raum eröffnen will – mitten in der Kirche. Ein Raum für Glaubenserfahrungen zwischen christlicher Tradition und postmodernen Spiritualität soll es sein, ein Raum, um die Schönheit des Lebens zu entdecken und gemeinsam zu feiern. Zwischen Schaufenstern und Kirchenfenstern, Küchentisch und Altar darf an diesem Ort geträumt und experimentiert werden: unterschiedliche Formate laden junge Menschen dazu ein, zu suchen und zu teilen, was sie inspiriert, im Leben trägt und ihnen wertvoll ist. Hier finden sie die Möglichkeit, um sich zu vernetzen, gemeinsam etwas zu gestalten und eigene Ausdrucksweisen des Glaubens und der Gemeinschaft auszuprobieren.

Zu den regelmäßigen Angeboten zählen die Veranstaltungen #orbit, ein wöchentlicher Abendimbiss mit Segensfeier und #brot+wein, einmal im Monat am Sonntagabend: „Wir teilen Brot und Wein, aber auch Geschichten, Ideen, Fragen, Zweifel, Lieblingslieder – alles das, was uns begeistert, irritiert, wertvoll ist“ heißt es dazu. Nach der Startphase, die von Pfarrerin Rebecca John Klug begleitet wurde, hat derzeit Pfarrerin zur Probe Hanna Jacobs aus der Hannoverschen Landeskirche die Leitung inne. Ein Team von Ehrenamtlichen unterstützt sie dabei.

 

 

 

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