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Beeindruckende Vielfalt von Gruppen, die anwaltschaftlich tätig sind

Forum Advocacy könnte wichtige Plattform in Essen werden

Fast 75 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben am 30. März am ersten „Forum Advocacy“ der Evangelischen Kirche in Essen teilgenommen. Vertreter aus 30 Gruppen, Initiativen und Organisationen, die Menschen in Not ehrenamtlich zur Seite stehen, waren dazu in das Evangelische Studierendenzentrum „die BRÜCKE“ gekommen; die Zugehörigkeit zu einer Konfession oder überhaupt die Bindung an eine Kirche waren keine Voraussetzung für die Teilnahme.

In Essen sind zahlreiche Gruppen aktiv, die sich anwaltschaftlich für andere Menschen in schwierigen Situationen engagieren – doch längst nicht alle wissen voneinander. Aus diesem Grund empfiehlt die Konzeption des Kirchenkreises Essen, die Vernetzung dieser Initiativen zu fördern – die heutige Veranstaltung war dafür ein erster, wichtiger Schritt. In ihrem Grußwort zu Beginn des Treffens würdigte Superintendentin Marion Greve das Engagement anwaltschaftlicher Initiativen, die in Essen tätig sind: „Sie alle setzen sich auf die unterschiedlichste Art und Weise für Menschen in Not ein, helfen ihnen weiter und unterstützen sie, kämpfen im Ernstfall auch für sie. Wenn ich die große Vielfalt der Gruppen sehe, die Sie vertreten, beindruckt und berührt mich das sehr.“

Grundsätzlich sei anwaltschaftliches Handeln an keinen bestimmten Glauben oder eine bestimmte Kirchenzugehörigkeit gebunden – es geschehe aus dem Herzen oder es geschieht eben nicht. „Uns, als evangelische Christinnen und Christen, liegt dieses anwaltschaftliche Eintreten aber gerade in der Nachfolge Jesu besonders am Herzen“, sagte Marion Greve. Jesus Christus, in seiner Achtsamkeit für Menschen, ist dabei für uns der wichtigste Orientierungspunkt für anwaltschaftliches Handeln. Er legt den Grundstein für diese Ausrichtung, von der wir überzeugt sind, dass sie dazu beiträgt, dass unser Leben und unsere Gemeinschaft in Frieden und Gerechtigkeit gelingen.“ Gott habe jeden und jede von uns mit unterschiedlichen Gaben beschenkt und uns beauftragt, diese Gaben füreinander einzusetzen. „Auf diesem Weg führt Gott, die Quelle des Lebens, uns zusammen und wirkt in und durch uns. Diese Grundüberzeugung ist tatsächlich politisch und erweist sich im konkreten Tun.“

Auch die neue Konzeption des Kirchenkreises Essen betont, wie wichtig anwaltschaftlichen Handelns als Ziel kirchlicher Arbeit ist: „In Jesus Christus wurde Gottes Liebe auf tiefe und wunderbare Weise sichtbar. In ihm ist deutlich, dass Gottes Nähe und Zuwendung besonders den Entrechteten und Hilfsbedürftigen gilt. Ihnen zur Seite zu stehen ist Gottes besonderer Auftrag an uns“, heißt es schon in der Präambel, und später: „Als Evangelische Kirche in Essen treten wir für die Menschenrechte und die Würde des Einzelnen ein und wollen mit dafür Sorge tragen, dass Voraussetzungen für eine strukturelle Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft geschaffen werden. Anwaltschaft beschreibt für uns eine Haltung, die in allen kirchlichen Handlungsfeldern wirksam werden soll. Anwaltschaftliches Handeln ist wie das diakonische Handeln eine Wesensäußerung von Kirche.“

Um hierfür Strukturen und gute Vernetzungen zu schaffen, war schon während der Erstellung der Konzeption die Idee für den Forumstag entstanden; nach ihrer Verabschiedung hatten sich mehrere Mitglieder aus der Projektgruppe „Advocacy“ dazu bereiterklärt, bei der Vorbereitung mitzuwirken. „Wir wollten eine Möglichkeit schaffen, um sich kennenzulernen, die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen des eigenen Engagements zu reflektieren und gute Beispiele und Ideen für die Lösung unterschiedlichster Probleme miteinander zu teilen“, erklärten Miriam Schilling und Olaf Kudling, die das Treffen vorbereitet hatten.

Nach dem Grußwort der Superintendentin und einem Gastvortrag von Dr. Jochen Motte, Leiter der Abteilung Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung bei der Vereinten Evangelischen Mission (VEM), standen mehrere Workshops auf dem Programm, bei denen es unter anderem um die Grenzen des Ehrenamtes, Öffentlichkeitsarbeit und die Gewinnung von Mitstreitern ging. In den Pausen fanden zwischen Stellwänden, auf denen sich die teilnehmenden Gruppen präsentierten, viele anregende Gespräche statt.

„Ich habe das gute Gefühl, dass dieser Tag ein gelungener Aufschlag für weitere Vernetzungen ‚um der Menschen willen‘ war“, zog Marion Greve am Ende des Tages ein positives Fazit. „Und ich vertraue darauf, dass wir die getroffenen Verabredungen über eine engere Zusammenarbeit und einen regelmäßigen Austausch Schritt für Schritt mit Leben füllen werden.“ Die Rückmeldungen aus dem Teilnehmerkreis gaben ihr recht: So war von einem „guten Startpunkt“ und einer „wichtigen Plattform“ die Rede; außerdem wurde angeregt, das „Forum Advocacy“ zukünftig einmal im Jahr durchzuführen. Welches Fazit die Organisatoren selbst ziehen, zeigt ein Video-Interview, das die Evangelische Kirche in Essen in ihrem YouTube-Kanal veröffentlicht hat.

Die Veranstaltung wurde durch Mittel aus dem Innovationsfonds des Kirchenkreises Essen gefördert.

 

 

 

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