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Kirchengemeinde Borbeck-Vogelheim weiht Garten der Erinnerung ein

Neues Gräberfeld ermöglicht auch Baumbestattungen

(Essen, 08.04.2019) Die evangelische Friedhofslandschaft in Essen ist um ein Angebot reicher: Mit einer Feierstunde, Posaunenklängen und einer Führung hat die Kirchengemeinde Borbeck-Vogelheim auf ihrem Friedhof an der Matthäuskirche am 5. April ihren neuen „Garten der Erinnerung“ eingeweiht. Auf dem rund 650 m² großen, wie ein Park angelegten Gräberfeld stehen viele Bäume; es gibt geschwungene Wege, Bänke und einen Brunnen. Außer den üblichen Bestattungsarten besteht hier auch die Möglichkeit, Urnen dicht bei den Wurzeln eines Baumes beizusetzen – diese Gräberform gab es auf einem evangelischen Friedhof in Essen bislang nur in Kettwig.

„Das neue Gräberfeld drückt unser Verständnis von einem Friedhof aus, der nicht nur letzte Ruhestätte der Verstorbenen ist, sondern auch ein Ort für die Lebenden“, erklärt Daniel Stender, zuständiger Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung im Evangelischen Verwaltungsamt Essen. „Durch die gartenähnliche Anlage wollen wir eine höhere Aufenthaltsqualität für alle Besucher schaffen.“ Besonders die neue Gräberart „Baumbestattung“ verdeutliche den Wandel: „Denn an dem Ort, an dem die Totenasche bestattet wird, wächst gleichzeitig ein neuer Baum – ein Symbol für den Kreislauf des Lebens.“ Wer sich für ein Baumgrab entscheidet, kann dies bereits zu Lebzeiten tun; es können bis zu zwei Urnen beigesetzt werden und je nach Vorliebe kann zwischen einem stehenden und einem liegenden Grabstein gewählt werden.

Neben den Grabarten für Urnen, dem Baumgrab, dem Partnergrab und dem Gemeinschaftsgrab können auch Särge in einem pflegefreien Reihengrab bestattet werden.

Der Matthäusfriedhof im Wandel der Zeit

Auch vor den Friedhöfen machen die gesellschaftlichen Veränderungen keinen Halt; die Bestattungskultur ist einem stetigen Wandel unterworfen. „Unsere Kirchengemeinde und ihr Friedhofsausschuss haben es sich zur Aufgabe gemacht, diese Entwicklungen zu verfolgen und ihnen, wenn möglich, in der Gestaltung des Friedhofs Rechnung zu tragen“, erklärt Daniel Stender. „Besonders in Großstädten wie Essen erhalten Friedhöfe ein Stück weit das öffentliche Grün. Unser Matthäusfriedhof wurde unter anderem wegen der vielen hohen Bäume, die hier stehen, schon häufiger auch als ‚Kleine Gruga‘ bezeichnet.“

Um diesen Charakter noch stärker zu betonen, hat die Gemeinde im vergangenen Jahr einen neuer „Begegnungsraum“ errichtet – hier können sich Friedhofsbesucher begegnen, miteinander ins Gespräch kommen oder sich einfach bei einem warmen oder kalten Getränk ein wenig ausruhen. „Der Raum erfreut sich großer Beliebtheit und wir überlegen gerade, wie wir die Öffnungszeiten auf die Sonntage ausdehnen können.“ Auch ungewöhnliche Veranstaltungen sind auf dem Matthäusfriedhof nicht ausgeschlossen, wie eine Krimilesung vor rund 70 begeisterten Zuhörern zeigte.

„Der Garten der Erinnerung ist das perfekte Beispiel dafür, wie auf einem Friedhof gleichermaßen Leben und Tod aufeinandertreffen. Die parkähnliche Gestaltung mit geschwungenen Wegen und Sitzgelegenheiten lädt zu einem Besuch ein und gleichzeitig dient das Feld mit seinen unterschiedlichen Bestattungsmöglichkeiten als letzte Ruhestätte für unsere Verstorbenen“, erläutert Daniel Stender. „All diese Aktivitäten und Veränderungen dienen letztlich dem Erhalt und der Zukunftsfähigkeit unseres Friedhofs. Sie spiegeln auch die eingangs angesprochenen Veränderungen im Umgang mit der Bestattungskultur wider.“

Aktuelle Zahlen und Trends

Die positive Entwicklung des Matthäusfriedhofs lässt sich auch mit statistischen Daten untermauern. Im Laufe des vergangenen Jahres sind die Beerdigungszahlen im Vergleich zum Vorjahr wieder leicht von 170 auf 180 gestiegen. Besonders die pflegefreien Grabstätten werden am häufigsten gewählt. Insgesamt wurden von den 180 Bestattungen 109 in sogenannten pflegefreien Grabstätten vorgenommen. Der Trend geht weiterhin zu den Urnenbeisetzungen. Im letzten Jahr wurden bei uns 33 Sargbestattungen und 147 Urnenbeisetzungen vorgenommen.

Bei den Trauerfeiern lässt sich auch leicht ein neuer Trend erkennen. Die Inanspruchnahme der Matthäuskirche mit 57 Trauerfeiern und des Abschiedsraums (72) ist Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen; das Interesse an Trauerfeiern an anderen Orten ist deutlich gestiegen. Im Jahre 2017 waren es gerademal 20 Trauerfeiern, die außerhalb unserer Räumlichkeiten durchgeführt wurden; im Jahr 2018 ist diese Zahl auf 51 angestiegen.

Im Jahr 2019 sind auf dem Matthäusfriedhof keine größeren Projekte geplant. Jedoch werden wieder Wegebaumaßnahmen durchgeführt, um marode Friedhofswege zu reparieren, mögliche Unfallgefahren zu beseitigen und auch die Attraktivität zu erhöhen. Daniel Stender: „Auch in Zukunft werden wir weiterhin alles daran setzen, unseren Matthäusfriedhof zukunftsfähig zu betreiben, ohne dabei die eigentlichen Werte, die Würde des Friedhofs oder die Pietät aus dem Auge zu verlieren. Der Matthäusfriedhof geht mit der Zeit!“

In seiner Ausgabe vom 14. April berichtet das kirchliche Wochenmagazin „Himmel & Essen“ im Programm von Radio Essen über den neuen „Garten der Erinnerung“.

 

 

 

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