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Nachrichten

Eine Ahnung von unserer Heimat bei Gott

Osterandacht von Marion Greve über ein Stück von Peter Gabriel

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

in diesem Jahr hat mich „Don’t Give Up“ von Peter Gabriel zu meinem Ostergruß inspiriert – sein Stück aus dem Album „So“ von 1986 beschreibt österliche Erfahrungen, die mich sehr berühren. Peter Gabriel, geboren 1950 in England, gründete 1967 die Band „Genesis“, die sich in den Siebzigerjahren zu einer erfolgreichen Rockband entwickelt hat. Später startete er eine Solokarriere, „Don‘t Give Up“ zählt zu ihren herausragenden Ergebnissen.

Das Stück erzählt von einem Mann, der einst in seinem stolzen Land zu Stärke und Durchsetzungsfähigkeit erzogen wurde und sich nun im gesellschaftlichen Kampf auf der Seite der Verlierer wiederfindet. Eine Frauenstimme, gesungen von Kate Bush, ermutigt ihn immer wieder, nicht aufzugeben. Sie glaubt nach wie vor an ihn und seine Fähigkeiten. Er wiederum hätte es nie für möglich gehalten, dass es ihn einmal so hart treffen könnte.

Eines Nachts kehrt er in den Ort zurück, in dem er geboren wurde, und stellt fest, dass dort alle Bäume niedergebrannt sind. Die Frau, die ihn mit ihrer Stimme auch auf dieser Fahrt begleitet, zeigt sich solidarisch. Sie glaubt, dass es trotzdem irgendwo einen Ort für sie beide gibt. Sie steht ihm bei und ermutigt ihn, nicht so sorgenvoll zu sein.

Warum ist dieses Lied für mich ein Osterlied? Weil es von der Bewegung erzählt, die von der Dunkelheit zum Licht führt. In „Don`t Give Up“ geht es um das gesellschaftliche Überleben. Um moderne „Kreuzerfahrungen“ von Arbeitslosigkeit und Armut. Es erzählt von österlichen Momenten, die nicht in einem theologischen Lehrbuch stehen, sondern mit den kleinen, täglichen Auferstehungen zu tun haben. Mitten im Leben. Wenn ein neuer Weg sich auftut, Einsamkeit schwindet, ein Freundin mich tröstet.

Die österlichen Momente des Liedes erlebe ich besonders stark in der Frauenstimme. Dabei handelt es sich nicht einfach um eine einfühlsame Stimme, die sich mit dem Verzweifelten solidarisiert. Der Klang der Stimme ist sphärisch und warm. Allein beim Hören ist viel mehr „da“ als nur die Trostworte: Das Bekenntnis zu einem Ort, wo man hingehört („a place where we belong“) erweitert den Trost weit über das konkrete Leben hinaus. Eine andere Heimat kommt in den Blick, wo Leistung und Erfolg nichts zählen („we ´re proud of who you are“). Die Klangfülle und besonders am Ende auch die Gospelharmonien weisen weit über das rein Zwischenmenschliche hinaus: Die Frauenstimme erzählt vom Himmel auf Erden. Mit meinen christlichen Worten: sie schenkt uns eine Ahnung von einer Heimat bei Gott – von der Auferstehung am Ende der Zeit.

Natürlich ist die Botschaft von der Auferstehung eine reine Glaubenssache - allerdings: dass mit dem Tod alles aus ist, ebenfalls! Man kann sich also unbefangen für das eine oder andere entscheiden. Wenn ich mich auf die Glaubensbotschaft einlasse, erlebe ich täglich Spuren von dem, was am Ende der Tage auf mich wartet. Täglich gibt es Auferstehung: wenn Frust und Verzweiflung im Alltag in den Hintergrund treten, wenn plötzlich Wolken aufreißen, eine Freundin mir unverhofft verzeiht, wenn eine Melodie verzaubert.

Diese Auferstehungserfahrungen vor dem Tod nähren für mich die Hoffnung, dass wir mit Gottes Hilfe am Ende der Tage alle auferstehen. Und dass ich dann erleben kann, wovon die Offenbarung spricht: „Gott wird abwischen alle Tränen von unseren Augen und es wird kein Mensch mehr leider und Schmerzen und Geschrei wird es nicht mehr geben!“, heißt es dort. „Don’t Give Up“, und vor allem die Stimme von Kate Bush, lässt mich im Hier und Jetzt etwas davon ahnen, was eines Tages auf uns wartet.

Eine solche Ahnung wünsche ich auch Ihnen in diesen Tagen! Ein gesegnetes Osterfest,

Ihre
Superintendentin Marion Greve



 

 

 

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