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Seenotrettung ist Menschenrecht und kein Verbrechen!

Superintendentin Marion Greve sprach auf dem Kennedyplatz

(Essen, 06.07.2019) Bei einer Demonstration auf dem Kennedyplatz am 6. Juli hat sich Superintendentin Marion Greve für die Fortsetzung der zivilen Seenotrettung auf dem Mittelmeer ausgesprochen: Die Kriminalisierung der Seenotretter sei eine Schande für Europa. Zu der Kundgebung, an der rund 200 Menschen teilnahmen, hatte das Bündnis Seebrücke und verschiedene lokale Organisationen aufgerufen. Nachfolgend dokumentieren wir das Statement der Superintendentin im Wortlaut.

Redebeitrag von Superintendentin Marion Greve

Liebe Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt,

als Evangelische Kirche in Essen unterstützen wir in aller Deutlichkeit den Aufruf, für die Rechte Geflüchteter einzutreten. Seit vielen Jahren setzen wir uns für die zivile Seenotrettung ein, um anhaltendes Sterben und kriminelle Schlepperei zu verhindern. Unser Eangagement ist heute nötiger denn je, wie die aktuellen Vorgänge um das Schiff Sea-Watch 3 zeigen: Zivile Seenotrettung ist kein Verbrechen, sondern eine christliche und humanitäre Pflicht.

Wir können uns nicht auf Menschenrechte, Aufklärung und Humanismus berufen und gleichzeitig die Rettung Ertrinkender kriminalisieren. Es geht hier auch überhaupt nicht um unterschiedliche Auffassungen, wie man mit Migranten und Schutzsuchenden umgehen soll. Es geht nicht darum, dass man „nicht alle aufnehmen kann“, wie ich immer wieder in Gesprächen hören muss. Es geht schlicht um ein Mindestmaß an Zivilisiertheit: Wer in Seenot gerät, ist weder Flüchtling noch Migrant, der ist weder Afrikaner noch Europäer, weder Muslim noch Christ, sondern ein Mensch, der gerade dabei ist zu ertrinken! Und man muss alles unternehmen, um ihn zu retten.

Christinnen und Christen lesen in der Bibel, wie Jesus selbst in Seenot gerät und bei den Ertrinkenden im Boot ist, und auch, wie er sie rettet. Niemand soll ertrinken müssen! Darüber hinaus brauchen wir dringend eine funktionierende Regelung für die Verteilung von Bootsflüchtlingen in Europa. Wir brauchen humanitäre Korridore für sehr gefährdete und verletzliche asylberechtigte Menschen.

Es ist eine Schande, Prozesse gegen diejenigen zu führen, die Tausende von Menschen vor dem Tod gerettet haben! Hier ist Europa gefordert – und nicht bei der Behinderung oder gar Bekämpfung von ziviler Seenotrettung. Für diese Forderungen treten wir aus christlicher Überzeugung ein!"

Auch die Ausgangskollekte des Gottesdienstes zur Einführung von Assessor Heiner Mausehund, Skriba Silke Althaus und des Synodalältesten Dr. Joachim Felix Panik sowie zur Verabschiedung von Assessorin Erika Meier am 5. Juli war dem Bündnis Seebrücke gewidmet. Die Evangelische Kirche im Rheinland war der Initiative Anfang des Jahres auf Anregung ihrer Jugendsynode beigetreten.

Symbolfoto: epd-Bild für gemeindebrief.de

 

 

 

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