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Diese Arbeit ist für eine gute Integration unverzichtbar

Arbeit der Migrationsfachdienste steht vor Herausforderungen

Über die Arbeit des Jugendmigrationsdienstes (JMD) und der Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) in Essen informierte sich der Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Essen-Nord/Ost, Dirk Heidenblut (SPD), bei einem Besuch des JMD Essen in den Räumen an der Friedrich-Lange-Straße. Neben dem Gespräch mit Mitarbeitenden und Teilnehmenden an Sprach- und Integrationskursen standen Berichte über erfolgreiche Maßnahmen, aktuelle Herausforderungen und Perspektiven für die Zukunft der beiden Migrationsfachdienste auf dem Programm.

Durch die anhaltende Zuwanderung nach Deutschland und die damit verbundene Aufgabe einer gelingenden Integration steigt in allen Städten und Gemeinden der Bedarf an sinnvollen Integrationsmaßnahmen und Beratungsangeboten. Das spüren auch die beiden Migrationsfachdienste, wie allein schon die Zahlen zeigen: Suchten im Jahr 2014 bundesweit noch 175.000 Personen bei der Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer Unterstützung und Rat, waren es 2018 rund 305.000. Ähnlich sieht es bei den Jugendmigrationsdiensten aus, wo die Zahl der begleiteten jungen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte seit 2015 um etwa ein Drittel auf über 123.000 im Jahr 2018 gestiegen ist. Allein in Essen haben in diesem Jahr bereits über tausend Jugendliche ein Angebot des JMD in Anspruch genommen.

Im Gespräch mit Dirk Heidenblut wurde deutlich: Die Arbeit der beiden Migrationsfachdienste kennt in Essen zahlreiche Erfolgsgeschichten, steht aber weiter vor großen Herausforderungen. Während die Mitarbeitenden der MBE dafür eintreten, die Befristung der für ihre Arbeit bewilligten Fördergelder zumindest an die Dauer der Legislaturperioden des Bundestages zu koppeln, kritisieren die Träger der Jugendmigrationsdienste die Deckelung der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel im vergangenen Jahr. Angesichts gestiegener Personalkosten und anhaltend hoher Fallzahlen fehlten „bundesweit rund 8 Millionen Euro, um die Angebote im bisherigen Umfang fortsetzen zu können“, wie Brigitte Lindemann vom JMD Essen ausführte. Sie hofft darauf, dass die derzeit laufenden Haushaltsberatungen im Bundestag für 2020 zu einem besseren Ergebnis führen.

Auch die negativen Folgen „grassierender Projektitis“ wurden offen angesprochen: „Unsere Arbeit ist etabliert und die Standorte des JMD verfügen über alle nötigen Kompetenzen“, erklärte Bilge Colak. „Die Finanzierung immer neuer Projekte führt im schlimmsten Fall zum Aufbau teurer und ineffektiver Doppelstrukturen – viel besser wäre eine Stärkung der Regelfinanzierung.“ Das sah auch Dirk Heidenblut so, verwies allerdings auf den föderalen Staatsaufbau der Bundesrepublik Deutschland: „Wenn sich die Haushaltsmittel nicht aufstocken lassen, bleibt die Projektförderung auf der Bundesebene das einzige Mittel, um die Arbeit der Migrationsfachdienste zu unterstützen“, bat der Politiker um Verständnis. „Für die Überführung von Projekten in eine Regelfinanzierung sind im Anschluss vor allem die Kommunen und Länder zuständig.“ Der Abgeordnete warb deshalb darum, nicht auf die Beantragung neuer Projekte zu verzichten: „Das freut doch nur den Finanzminister.“

Am Ende zog Dirk Heidenblut ein überaus positives Fazit seines Besuchs. „Ich habe an diesem Nachmittag viel über die gute und für eine vernünftige Integration unverzichtbare Arbeit der beiden bundesgeförderten Einrichtungen erfahren“, erklärte der Politiker. „Ich hatte Gelegenheit, mit den Mitarbeitenden der Fachdienste und auch mit Teilnehmern eines Deutschkurses zu diskutieren. Jugendlichen und Erwachsenen wird hier – in guter Kooperation der Dienste – geholfen, das Dickicht der Vorgaben im Zusammenhang mit Arbeits-, Ausbildungs- und Bildungsmöglichkeiten, Anerkennung von Berufsabschlüssen oder Erlangung von Berufsabschlüssen zu durchdringen. Zugleich werden in Deutsch- und Integrationskursen wichtige Grundlagen für das Miteinander in Deutschland vermittelt. Es wäre ganz sicher sinnvoll, die Finanzierung der Dienste langfristig zu sichern und nach Möglichkeit noch weiter auszubauen.“ Der Bundestagsabgeordnete sagte zu, die berechtigten Anliegen der beiden Migrationsfachdienste in die laufenden Haushaltsberatungen des Bundestages wie auch in seine Gespräche mit den jeweils zuständigen Ministerien einfließen zu lassen.

Zum Hintergrund: Migrationsfachdienste

Bundesweit begleiten 477 Jugendmigrationsdienste (JMD) junge Menschen mit Migrationshintergrund im Alter von 12 bis 27 Jahren mittels individueller Angebote und professioneller Beratung bei ihrem schulischen, beruflichen und sozialen Integrationsprozess. Individuelle Unterstützung, Gruppen- und Bildungsangebote sowie eine intensive Vernetzung mit Schulen, Ausbildungsbetrieben, Integrationskursträgern und anderen Einrichtungen der Jugendhilfe zählen zu den wesentlichen Aufgaben der JMD. Die Finanzierung ist gesetzlich geregelt und erfolgt aus Haushaltsmitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). In Essen ist die Evangelische Kirchengemeinde Borbeck-Vogelheim seit 1996 Träger des JMD. Zu den besonderen Schwerpunkten an diesem Standort zählt die Hochschulberatung, die von studieninteressierten jungen Menschen aus der gesamten Region aufgesucht wird.

Mit der Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) stellt das Bundesministerium des Innern (BMI) seit 2005 ein eigenständiges migrationsspezifisches Beratungsangebot zur Verfügung. Dabei handelt es sich um ein zeitlich befristetes, bedarfsorientiertes, individuelles Grundberatungsangebot. Zuwanderer können die MBE bis zu drei Jahre lang kostenlos in Anspruch nehmen. Für die Durchführung ist nach dem Zuwanderungsgesetz das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zuständig. Das BAMF wiederum hat die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege und den Bund der Vertriebenen mit der konkreten Durchführung der Beratungstätigkeit beauftragt. Das Spektrum der Angebote reicht von berufsorientierter Einzelfallberatung über die Vermittlung an die jeweils zuständigen Behörden und Ämter bis zur Organisation von Kinderbetreuung und wird bundesweit an insgesamt rund 800 Standorten vorgehalten. In Essen wird die MBE von fünf Trägern der freien Wohlfahrtspflege organisiert, die in einem Netzwerk zusammenarbeiten: Beteiligt sind die Arbeiterwohlfahrt Essen, die Caritas Essen, das Diakoniewerk Essen sowie die Vereine PLAN B Ruhr e.V. und VIBB Essen e.V.

 

 

 

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