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Zwanzig Jahre Interkulturelles Zentrum Kreuzer

Herausragendes Beispiel für interkulturelle Gemeinwesenarbeit

(Essen, 28.09.2019) Mit einem Familienfest feiert die Evangelische Kirchengemeinde Borbeck-Vogelheim am Samstag, 28. September, ab 14 Uhr das zwanzigjährige Bestehen ihres interkulturellen Zentrums Kreuzer an der Friedrich-Lange-Straße 3. Gemeinsam mit dem Kompetenzteam des Jugendamtes für den Stadtbezirk IV, dem Jugendmigrationsdienst, dem Kommunalen Integrationszentrum und vielen weiteren Partnern lädt die Kirchengemeinde zu einem Bühnenprogramm mit viel Musik, Tanz und Theater ein. Zu den Mitwirkenden zählen viele der Migrantenvereine, die den „Kreuzer“ für ihre regelmäßigen Treffen und Auftritte nutzen; das Jobcenter, die Diakonie und die Flüchtlingsberatung informieren über ihre Arbeit. Für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt.

Mit etwas historischer Verspätung schwappte die gesellschaftliche Debatte der Achtzigerjahre des 20. Jahrhunderts zu Soziokultur, demokratischer Partizipation, Interkulturalität auf die kleine Kirchengemeinde EssenBorbeck-Vogelheim über. Engagierte junge Pfarrer und Gemeindeglieder wie Günter Kern-Kremp, Horst Pabst und viele andere Aktivisten forderten 1998 Dialog, Kultur, Teilhabe für die Menschen im Viertel. Der Dialog sollte vollkommen offen sein und jeder konnte dazu beitragen. Ob jung oder alt, ob deutsch oder ausländisch, ob Musiker oder Tänzer, ob christlich oder muslimisch und ob weiblich oder männlich, jeder war zum Dialog in fast jeder Form eingeladen. Die Kirchengemeinde stellte die Kirche des Mirjamhauses leer geräumt den Initiatoren zur Verfügung.

Der erste Dialog war ein politischer Dialog; nicht eingeplant, aber mit voller Wucht eingeschlagen. Mehrere kurdische Flüchtlingsfamilien baten im Kreuzer um Kirchenasyl - ihnen stand trotz zu erwartender Inhaftierung im Heimatland die Abschiebung bevor. „Es mussten moralische und ethische Entscheidungen getroffen werden, unaufhörlich Konflikte mit den Bürokratien der kommunalen Entscheidungsträger ausgetragen und die Ignoranz der Bevölkerung ausgehalten werden“, erinnert sich Horst Pabst.

Heute ist der Kreuzer in Borbeck ein fester Bestandteil des Lebens im Stadtteil, ein aktiver Träger interkultureller Gemeinwesenarbeit mit Sprachuntericht für Migranten, Beratung, Jugendwohnen für Geflüchtete, einem interkulturellen Café und regelmäßigen Kunst- und Kulturveranstaltungen. Zahlreiche Vereine und öffentliche Institutionen wie das Jobcenter, das Diakoniewerk Essen, das Jugendamt, BIGWAM; FamilienRaum, der Verein zur Förderung der Bildungs- und Kulturarbeit, der Jugendmigrationsdienst und viele andere antworten auf Fragen, die Industriegeschichte und Migration im Stadtteil stellen. Im Mittelpunkt steht nach wie vor die Menschenwürde jedes einzelnen in einer kulturell und politisch freien und offenen Gesellschaft.

Text: Sönke Willms-Heyng.

Unser Titelbild zeigt v.li.n.re.: Christoph Ecker, Vorsitzender des Presbyteriums der Evangelischen Kirchengemeinde Borbeck-Vogelheim; Sebastian Stute vom Jugendamt Essen; Tuncer Kalayci vom Kommunalen Integrationszentrum der Stadt; Thomas Hartung, Leiter der sozialdiakonischen Projekte der Kirchengemeinde; und Horst Pabst vom Verein zur Förderung der Bildungs- und Kultutrarbeit in Essen. Foto: Kirchenkreis Essen/Stefan Koppelmann

 

 

 

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