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Ohne Fassade

Evangelisches Bildungswerk präsentierte Buch über starke Frauen

(Essen, 08.10.2019) „Ohne Fassade – Frauen im Gespräch“ lautet der Titel eines neuen Buches, das das Evangelische Bildungswerk Essen im Rahmen einer Lesung am 8. Oktober der Öffentlichkeit präsentiert hat. Die 64-seitige Publikation stellt zehn Essener Frauen in berührenden, autobiographisch geprägten Porträts vor. Sie wurden während einer mehrmonatigen Interview- und Schreibwerkstatt aufgezeichnet.

Geschichten über den Verlust des Vertrauten und die Suche nach Heimat, über den Aufbruch in ein neues Leben, über Zukunftsangst und zarte Hoffnung, zerbrochene Beziehungen oder den Umgang mit dem eigenen Vater, der seine Verstrickung in das NS-Herrschaftssystem bis zuletzt nicht bereute: Die geschilderten Lebenswege und Lebensthemen könnten unterschiedlicher kaum sein – und bilden doch durch die Nähe, mit der sie erzählt werden, und die emotionale Wucht der dargestellten Ereignisse eine starke Einheit.

Die Art und Weise, in der auch tiefste Brüche im Leben dargestellt werden, bevor, anfangs ganz zaghaft, aus scheinbarer Hoffnungslosigkeit eine neue Perspektive erwächst, lässt den Leser nicht selten staunen: Das so ein Schicksal möglich ist! Dabei ist es gerade die oft lakonische Form des Schreibstils, der diese Geschichten so alltäglich, authentisch und nachvollziehbar macht. Es sind allesamt „starke Frauen“ – so der ursprüngliche Name dieser Schreibwerkstatt – die sich hier äußern. Und die, weil alles, was erstaunlich wirkt, andererseits ganz alltäglich und beispielhaft daherkommt, auf ganz persönliche Art zu Vorbildern werden.

„Ohne Fassade“ knüpft an ein ähnliches Buchprojekt an, das das Evangelische Bildungswerk vor drei Jahren durchgeführt hat. „Erzähl mir deine Gesichte“ (Essen 2016) wurde ebenfalls von Roswitha Stolz und Claudia Kocabiyik von der Evangelischen Erwachsenenbildung begleitet; nun kam noch Despina Paraskevoudi von der Integrationsagentur des Diakoniewerks Essen hinzu. In ihrem gemeinsamen Vorwort berichten die drei Initiatorinnen von Konflikten, unterschätztem Zeitaufwand, vereinzelten Enttäuschungen, einem Rückzug. Die beim ersten Buch erprobte Genese der Geschichten – eine Frau erzählt, die Partnerin schreibt – ließ sich nicht mehr konsequent durchhalten.

Weil einige der interviewten Frauen befürchteten, dass sich das von ihnen Erzählte negativ auf die Beziehung zu Familienangehörigen oder den weiteren beruflichen Werdegang auswirken könnte, wurde am Ende entschieden, alle sieben Geschichten unter dem Schutz der Anonymität zu veröffentlichen. So schieden Fotos der Interviewpaare zur Illustration diesmal aus; sie wurden durch sieben ausdrucksstarke Zeichnungen der Künstlerin Lorena Rogalla ersetzt – ein Glücksgriff! Und so blieb es am Ende bei dem nun vorliegenden, überzeugenden Ergebnis.

Dass die zehn beteiligten Frauen selbst erheblich sowohl von den individuellen Treffen als auch von der regelmäßigen gemeinsamen Reflexion profitierten, zeigen ihre Statements am Ende: Da ist von dem großen Wert der Rede, den die Wahrnehmung von Lebensgeschichten und das Teilen von Empfindungen haben, von der Möglichkeit, „den Geschmack des Lebens“ zu spüren und sich durch den Einblick in andere Kulturen bereichern zu lassen, und natürlich auch von der Notwendigkeit, „hinter die Fassade“ des scheinbar Alltäglichen zu schauen. Von den aufgezeichneten Erfahrungen aber profitieren nicht zuletzt wir, die Leserinnen und Leser – weshalb „Ohne Fassade“ möglichst viele zu wünschen sind.

DATEN ZUM BUCH

Ohne Fassade
Frauen im Gespräch
Hrsg: Kirchenkreis Essen – Evangelisches Bildungswerk
Mit sieben farbigen Zeichnungen und einem Titelbild von Lorena Rogalla
Umschlaggestaltung, Layout und Satz: Anna Ongai, Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenkreises Essen
64 Seiten, Festeinband
Bezug über: Kirchenkreis Essen – Evangelisches Bildungswerk, Haus der Evangelischen Kirche, III. Hagen 39, 45127 Essen
Schutzgebühr: 4 Euro

 

 

 

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