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Gottesdienst erinnerte an die Reichspogromnacht 1938

Mitglieder aus ACK-Gemeinden und Schüler wirkten mit

(Essen, 10.11.2019) Der biblische Vers „Du sollst dir kein Bild machen!“ (Exodus 20,4) stand als Überschrift über einem Ökumenischen Gedenkgottesdienst, mit dem die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Essen (ACK Essen) am 10. November in der vollbesetzten Marktkirche an die Gräueltaten der Reichspogromnacht im nationalsozialistischen Deutschland des Jahres 1938 erinnert hat. Die Predigt hielt Dr. Theresa Kohlmeyer, Leiterin der Abteilung Glaube, Liturgie und Kultur im Bistum Essen; außerdem standt eine szenische Zusammenfassung des Dramas "Andorra" von Max Frisch im Mittelpunkt. Oberbürgermeister Thomas Kufen sprach ein Grußwort.

„In diesem Jahr stehen wir unter dem Eindruck des rechtsextremistisch motivierten Angriffes auf die Synagogengemeinde in Halle. Dieser Angriff, der auf tragische Weise das Leben zweier Menschen gefordert hat, richtete sich nicht allein gegen das Leben unserer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger und jüdischen Glaubensgeschwister, sondern auch gegen unser Grundgesetz und unsere Demokratie. Zugleich ist er ein Beweis dafür, dass Antisemitismus in unserer Gesellschaft eine neue Dimension erreicht hat – und das macht uns pessimistisch, ob je ein ganz normales jüdisches Leben in Deutschland möglich sein wird“, erklärte der Essener Schulpfarrer Joachim Dahlhoff, der den Gottesdienst leitete. „Davon dürfen wir uns aber nicht in unserem beständigen Bemühen lähmen lassen, wachsam zu bleiben gegenüber jeglicher Form von Antisemitismus, laut und deutlich zu widersprechen, wo dumpfe Vorurteile, Intoleranz, blinder Hass und Gewalt gegenüber anders denkenden und lebenden Menschen zum Ausdruck kommen. Dazu verpflichtet uns unsere christliche Glaubensüberzeugung."

Mit klaren Worten machte Oberbürgermeister Thomas Kufen seine Haltung deutlich: "Die Erinnerung ist wichtig, aber wir dürfen dabei nicht stehen bleiben. Die Angriffe auf die offene Gesellschaft ereignen sich auch heute wieder, Tag für Tag - ob in den Medien oder in der Nachbarschaft, durch öffentliche Reden oder Anschläge wie zuletzt in Halle. Ja, es ist richtig: Man darf heute vieles sagen, sogar mit Worten verletzen. Unwidersprochen bleiben darf das nicht", betonte Thomas Kufen. Weiter sagte der Oberbürgermeister: "Niemals wieder darf zwischen lebenswertem und lebensunwertem Leben unterschieden werden. Wir lassen uns nicht spalten, wenn die Menschenwürde gefährdet ist, Ausländer angegriffen oder Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung stigmatisiert werden! Gemeinsam stehen wir, über die Grenzen von Kulturen, Religionen und Konfessionen hinweg, für Toleranz, Freiheit und ein friedliches Miteinander ein."

Außer der Predigt von Dr. Theresa Kohlmeyer stand eine bewegende szenische Zusammenfassung des Dramas „Andorra“ im Mittelpunkt des Gottesdienstes: In dem 1961 veröffentlichten Stück, das bis heute aktuell ist, thematisiert Max Frisch auf verstörende Art die negativen Auswirkung von Vorurteilen nicht nur für die davon Betroffenen, sondern auch für unsere Gesellschaft. Er zeigt, wie Vorurteile zum Einfallstor für jegliche Form von Antisemitismus und Rassismus werden können. Zugleich stellt er in diesem Zusammenhang die Frage nach eigener Mitverantwortung und Mitschuld. Die Darsteller: Flix Nier (Andri), Sandra Paß (Tochter des Soldaten), Ciro Ruggiero (Wirt), Sebastian Fischer (Jemand), Jörg Alfering (Tischlermeister), Samuel Höfer (Geselle), Dr. Helmut Förster (Amtsarzt), Joachim Dahlhoff (Geistlicher). Die Requisiten hatte die Werkstatt WERK 2 hergestellt.

An der Gestaltung des Gottesdienstes wirkten außerdem Marlene Haske und Clara Ozan, Schülerinnen am Carl-Humann-Gymnasium Essen, Pfarrer Fritz Pahlke und Dompropst Thomas Zander mit. Für die Musik sorgten Robert Beck (Klarinette) und Deniz Elitez (Klavier). Die Kollekte war traditionell für die Arbeit der Jüdischen Kultusgemeinde in Essen bestimmt. Der Gottesdienst fand in diesem Jahr am 10. November statt, weil der eigentliche Gedenktag auf den jüdischen Sabbat fiel.

Titelfoto: © Kirchenkreis Essen/Alexandra Roth

 

 

 

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