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Schweizer! Ausländer! Hetzer! Friedestörer!

Ausstellung, Ökumenischer Abend und ein Film würdigen Karl Barth

Die Wanderausstellung „Schweizer! Ausländer! Hetzer! Friedestörer!“ über den Schweizer Theologen Karl Barth (1886 bis 1968) macht in der Evangelischen Erlöserkirchengemeinde Holsterhausen Station: Vom 18. Januar bis 2. Februar kann die Ausstellung zunächst in der Erlöserkirche, Friedrichstraße 17/Ecke Bismarckstraße, besichtigt werden; vom 3. bis zum 16. Februar ist sie dann im Melanchthon-Gemeindezentrum am Holsterhauser Platz/Melanchthonstrtaße 3 zu sehen. Zum Begleitprogramm zählen ein Ökumenischer Abend mit Professor em. Michael Weinrich von der Ruhr-Universität Bochum am 23. Januar und die Vorführung des Dokumentarfilms „Gottes fröhlicher Partisan – Karl Barth“ am 13. Februar. Veranstalter sind der rheinische Landesverband der Evangelischen Akademikerschaft in Deutschland e.V., der Katholische Akademikerverband Ruhr (KAR) und die Erlöserkirchengemeinde Holsterhausen.

„Schweizer! Ausländer! Hetzer! Friedestörer!“ – so hat sich Karl Barth einst selber in einem Brief an seinen Freund Eduard Thurneyen bezeichnet. Für die einen gilt der reformierte Schweizer Theologe als „der“ Kirchenvater des 20. Jahrhunderts, für die anderen war er ein Häretiker, ein Ketzer, der die Mächtigen der Welt ständig provozierte. Als radikaldemokratischer Sozialist vertrat Karl Barth ab 1911 die Meinung, dass sich die Kirche zuallererst um die sozialen Bedürfnisse der Menschen kümmern müsse; 1914 brach er mit der deutschen liberalen Theologie seiner Lehrer, die den Ersten Weltkrieg unterstützten. Später bezog er als einer der wenigen Theologen klar und deutlich Stellung gegen das nationalsozialistische Regime und wurde neben Dietrich Bonhoeffer zu einer der stärksten Stimmen des Widerstandes. Während der dunklen Kriegsjahre war Karl Barth für viele verzweifelte Menschen eine Instanz, die ihnen Hoffnung gab; nach dem Zweiten Weltkrieg – inzwischen ein Star unter den Theologen – ließ er sich weder vom kapitalistischen Westen noch vom kommunistischen Osten instrumentalisieren und wurde dafür erneut angefeindet. Gleichwohl trat er bis zuletzt engagiert für eine Versöhnung mit Deutschland ein.

Ausstellung

Die Ausstellung, die anlässlich des Karl-Barth-Jahres 2019 konzipiert wurde, stellt auf 16 Tafeln dessen Leben und Wirken und seine wichtigsten theologischen Positionen dar. Dabei machen Bilder, Texte und Zitate deutlich, dass den entschiedenen “Neins!“, die bis heute mit seiner Theologie verbunden sind, immer das “Ja!“ Gottes zu seinen Geschöpfen, den Menschen, uneinholbar voraus geht. „Die Ausstellung verschafft dem Betrachter einen wunderbaren ersten Eindruck davon, wer Karl Barth war und worin eigentlich das Besondere seiner Theologie zu sehen ist“, erklären die Veranstalter. „Seine Anliegen und Forderungen polarisieren bis heute. Die Denkanstöße und Impulse der Präsentation laden dazu ein, das Gespräch über Karl Barth und seine Theologie neu aufzunehmen: Wie können wir uns heute von Gottes Wort herausrufen lassen – in unseren Fragen und Nöten, in unserem Streit um Recht und Gerechtigkeit, um Frieden und Heil, in dieser auseinanderbrechenden Welt?“

Öffnungszeiten

In der Erlöserkirche, Friedrichstraße 17/Ecke Bismarckstraße, kann die Ausstellung vom 18. Januar bis zum 2. Februar samstags von 14 bis 18 Uhr, sonntags von 11 bis 12 Uhr sowie am Donnerstag, 23. Januar, von 17 bis 21 Uhr besichtigt werden. Im Melanchthon-Gemeindezentrum, Holsterhauser Platz/Melanchthonstraße 3, ist sie vom 3. bis 16. Februar sonntags von 12.15 bis 13 Uhr, montags, mittwochs und donnerstags von 14 bis 18 Uhr sowie freitags von 16 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. In der Ausstellung kann die Broschüre „Karl Barth Jahr 2019“ zum Preis von 1 Euro erworben werden.

Begleitveranstaltungen

Der Ökumenische Abend am Donnerstag, 23. Januar, um 18 Uhr in der Erlöserkirche, Friedrichstraße 17/Ecke Bismarckstraße, steht unter der Überschrift „Aufbrechen – Umkehren – Bekennen“ und ist den ökumenischen Potenzialen der Theologie Karl Barths gewidmet. Als Referent konnte Professor em. Dr. Dr. h.c. Michael Weinrich von der Ruhr-Universität Bochum gewonnen werden: Der reformierte Theologe hat anlässlich des Karl-Barth-Jahres 2019 eine vielbeachtete Einführung in dessen Leben und Denken vorgelegt (Karl Barth: Leben – Werk – Wirkung; Göttingen 2018). Die liturgische Leitung hat Pfarrer Joachim Greifenberg, die Moderation übernimmt Dr. Rudolf Diersch.

Der Dokumentarfilm „Gottes fröhlicher Partisan“ (Deutschland 2017, Regie: Peter Reichenbach), der am 13. Februar um 19 Uhr im Melanchthon-Gemeindezentrum, Holsterhauser Platz/Melanchthonstraße 3, zu sehen ist, begibt sich auf die Suche nach dem Menschen Karl Barth. Woher kam dieser Mann, der keine Auseinandersetzung scheute und für viele Menschen zur moralischen Instanz seiner Zeit wurde? Neben dem theologischen und politischen Wirken widmet sich der Film auch dem Privatleben Karl Barths, das wegen einer ebenso schönen wie schwierigen Liebesaffäre Anlass für Diskussionen und Kritik war. Adressaten des Films sind Engagierte aus Gemeindearbeit, Erwachsenenbildung und Jugendarbeit, Schülerinnen und Schüler aus den Sekundarstufen I und II und alle weiteren Menschen, die sich für spannende und aktuelle theologische Themen interessieren. Der Eintritt ist frei.

 

 

 

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