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Innovatives Essener Ökumene-Projekt wird Erprobungsraum

Segensfeiern für werdende Eltern und für Familien mit Neugeborenen

(Essen, 17.06.2020) Gute Nachrichten für ein innovatives Essener Ökumene-Projekt: Die Evangelische Kirche im Rheinland fördert die bundesweit beachtete Initiative „Segensfeiern an der Lebenswende Geburt“ in den Jahren 2020 und 2021 mit einem Pfarrstellenanteil im Umfang von 25 Prozent und übernimmt darüber hinaus auch erforderliche Sachkosten in Höhe von 16.000 Euro. Weil der Kirchenkreis Essen ebenfalls seine weitere Unterstützung grundsätzlich zugesagt hat, kann das Projekt als ökumenisches Angebot fortgesetzt und ausgeweitet werden.

Ursprünglich eines von zwanzig Projekten, mit denen das Mitte 2013 beschlossene „Zukunftsbild des Bistums Essen“ schrittweise in die Praxis umgesetzt werden soll, zog die Idee der Segensfeiern an der Lebenswende Geburt nach dem erfolgreichen Start schnell weitere Kreise. So wurden die Segensfeiern von Anfang an in ökumenischer Verbundenheit gemeinsam mit dem evangelischen Kirchenkreis vorbereitet und gestaltet; in Essen bilden die evangelischen Pfarrerinnen Eva Gabra und Juliane Gayk gemeinsam mit dem katholischen Pastoralreferenten Alexander Jaklitsch derzeit das für die Durchführung und Begleitung zuständige Projektteam. Mithilfe der zugesagten Fördermittel sollen die bisher schon vielfach gesammelten positiven Erfahrungen nun auch für andere Kirchenkreise und Gemeinden innerhalb der Evangelischen Kirche im Rheinland nutzbar gemacht werden; außerdem wollen die Projektverantwortlichen auf Veranstaltungen – unter anderem auf „Baby-Messen“ – zu ihren Segensfeiern einladen. Zudem hatten Eltern und ehrenamtlich Engagierte zuletzt bereits ihr Interesse signalisiert, selbst Segensfeiern für werdende Eltern und neugeborene Kinder anzubieten; sie sollen jetzt für diese Aufgabe befähigt und zugerüstet werden.

Segensfeiern für werdende Eltern und für Familien mit Neugeborenen

Die ökumenischen Segensfeiern an der Lebenswende Geburt gibt es in zwei verschiedenen Formaten: für werdende Eltern und für Eltern mit Neugeborenen. Die Segensfeiern für werdende Eltern (Internet: www.segen-beruehrt-neues-leben.de) finden vierteljährlich überwiegend in Geburtskliniken und meist im Anschluss an entsprechende Informationsveranstaltungen der Krankenhäuser statt. Das niederschwellige Gottesdienstformat begegnet den spirituellen Sehnsüchten, die auch bei vielen nicht kirchlich gebundenen Menschen in der Zeit des Elternwerdens zu Tage treten.

Zu den Segensfeiern für Neugeborene (Internet: www.segenfuerbabys.de) werden Familien mit Kindern im Alter bis zu vier Monaten eingeladen. Innerhalb eines Vierteljahres erhalten rund 800 Essener Haushalte eine persönlich adressierte Karte mit dem Angebot, gemeinsam mit anderen Familien die Geburt ihres Kindes zu feiern und ihm den Segen Gottes zusprechen zu lassen – unabhängig von der Entscheidung, ob sie ihr Kind taufen lassen oder nicht. Die große Resonanz auf diese Einladungen hat gezeigt, dass dieses Angebot willkommen ist: Viele Eltern spüren, dass das kirchliche Handeln mit ihnen und ihrem Leben zu tun hat und erleben die Einladung als wertschätzendes Zeichen ihrer Kirche.

Erprobung einer „neuen Kasualie“

Den Mittelpunkt der Segensfeiern bildet in beiden Fällen ein persönlicher Segenszuspruch für Eltern und Kind. „Die Geburt eines Kindes ist ein entscheidender Wendepunkt im Leben. Neben großer Freude spüren junge Eltern – vielleicht zum ersten Mal –, dass sie nicht alles selbst in der Hand haben“, erklären die Pfarrerinnen Eva Gabra und Juliane Gayk, die selbst junge Mütter sind. „An dieser Lebenswende entstehen bei Eltern häufig der Wunsch, Glück und Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, und eine Sehnsucht nach Segen, Schutz und Behütet-Sein. Wir wünschen uns, dass Kirche in diesem Moment im Leben der Menschen relevant ist und sie in ihrer konkreten Lebenswirklichkeit erreicht. Uns als Teams verbindet und motiviert die eigene, als wertvoll empfundene Erfahrung des Segens. Diese Erfahrung wollen wir weitersagen und daran mitarbeiten, dass an vielen anderen Orten in der Evangelischen Kirche im Rheinland ähnliche Angebote entstehen.“

"Die Initiative der Ökumenischen Segensfeiern an der Lebenswende Geburt eröffnet Menschen in einem besonderen Lebensmoment einen alltagspraktischen Zugang zum christlichen Glauben, der sie Kirche als relevant erleben und eine Gemeinde auf Zeit entstehen lässt“, begründet die Evangelische Kirche im Rheinland ihre Förderzusage. „Gleichzeitig verstehen wir diese Segensfeiern auch als Erprobung einer Art ‚neuer Kasualie‘ , die die bisherigen kirchlichen Formen der Lebens-Begleitung wie Taufe, Einschulung, Konfirmation, Trauung und Beerdigung zwar nicht ersetzt, aber doch sinnvoll ergänzt und zusätzlich bereichert.“ Nicht zuletzt sehen die Evangelische Kirche im Rheinland und das Bistum Essen in der Initiative einen sichtbaren Ausdruck der 2017 in der Essener Domkirche unterzeichneten gemeinsamen Erklärung „Ökumenisch Kirche sein“.

Stichwort: Programm Erprobungsräume

Die von der Evangelischen Kirche im Rheinland vergebenen Fördermittel stammen aus dem Programm „Erprobungsräume“, das die Landessynode der rheinischen Kirche 2019 beschlossen hat: In den kommenden zehn Jahren sollen neue und unkonventionelle Formen kirchlichen Lebens und kirchlicher Gemeinschaft mit bis zu 13 Millionen Euro unterstützt werden; pro Jahr stehen dafür 600.000 Euro zur Verfügung. Erprobungsräume laden zum Experimentieren ein: Wie kann Kirche neu Gestalt gewinnen – zusätzlich zur traditionellen Wohnortgemeinde? Im Fokus stehen „Menschen unterschiedlicher Kontexte und Milieus“, denen neue Zugänge zu einem alltagsrelevanten christlichen Glauben eröffnet werden sollen. Im Rahmen der ersten Antragsphase wurden aus insgesamt 17 eingereichten Vorschlägen jetzt die ersten zehn innovativen Vorhaben ausgewählt, die finanziell, fachlich und beratend gefördert werden – das Essener Projekt der „Ökumenischen Segensfeiern an der Lebenswende Geburt“ ist ab sofort eines davon.

© Foto: Bistum Essen/Kerstin Bögeholz

 

 

 

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