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Eine hörende, betende und tätige Kirche in schwieriger Zeit

Essener Kreissynode tagte erstmals als Video-Konferenz

(Essen, 28.08.2020) „Als hörende Kirche, als betende Kirche, als tätige Kirche habe ich uns in den letzten Monaten erlebt – und dabei immer auf der Suche danach, wie wir inmitten der Corona-Pandemie von Gottes Liebe erzählen können.“ In ihrem Bericht vor der Kreissynode hat Superintendentin Marion Greve das vielfältige Engagement der Kirche in den Bereichen Verkündigung, Seelsorge und Diakonie in dieser schwierigen und belastenden Zeit hervorgehoben. Die 25. ordentliche Tagung des Kirchenparlaments war eine Premiere: Erstmals kamen die Abgeordneten aus den 26 Gemeinden, den Diensten und Einrichtungen des Kirchenkreises nicht in einem Gemeindesaal, sondern digital, in Form einer Video-Konferenz zusammen.

Die Synode begann mit einer Andacht, die Pfarrer Markus Söffge aus der Evangelischen Kirchengemeinde Rellinghausen hielt. Nach einem Grußwort von Oberbürgermeister Thomas Kufen erstattete Superintendentin Marion Greve den Synodalen ihren Bericht über die wichtigsten Ereignisse der letzten Wochen und Monate, die vor allem durch die Corona-Beschränkungen und vielfältige, kreative Reaktionen von Gemeinden und Diensten darauf geprägt waren. „Auch wir selbst suchen in diesen Tagen nach Gott, nach dem, der uns trägt in Verunsicherung und Infektionssorgen – wir sind durstig und sehnen uns nach seiner Liebe, nach Heil und Heilung mitten in der Pandemie“, erklärte die oberste Repräsentantin der Evangelischen Kirche in Essen. Ein sichtbarer Ausdruck dieser Suche sei das allabendliche ökumenische Glockengeläut bis zum Osterfest gewesen, in manchen Gemeinden auch darüber hinaus – mit Kerzenschein in vielen Fenstern und einem Vaterunser. „Um uns gemeinsam zu vergewissern: Gott ist da und auch wir sind da! Die Rückmeldungen, die ich dazu erhalten habe, zeigen, dass sich davon auch viele Bürgerinnen und Bürger positiv berührt fühlten, zu denen wir sonst wenig oder keinen Kontakt haben.“

Stadtweit sei auch die Corona-Nachbarschaftshilfe wahrgenommen worden, die der Leiter des Projekts Ehrenamtskoordination, Michael Druen, kurzfristig nach dem Beginn des Shutdown initiiert habe: „Viele sind dabei, die bislang gar nicht kirchlich engagiert waren oder auch anderen Konfessionen und Religionen angehören. Auf der Suche danach, wie wir in dieser Krise von Gott erzählen können, sind wir mitten hinein gegangen in unsere Gemeinden und Stadtteile. Und das auf so vielfältige Weise, dass ich persönlich stolz bin auf eine Kirche und ihre Diakonie, die da war und da ist. Wir haben es bislang sehr gut geschafft, unsere sozial-diakonischen Dienste unter den erschwerten Bedingungen aufrechtzuerhalten, mit vielen wunderbaren Aktivitäten und Aktionen in unseren Kindertagesstätten und der offenen Jugendarbeit, in der Eingliederungshilfe, den stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen für Seniorinnen und Senioren.“

Daneben stünden vielfältige seelsorglichen Kontakte in den Gemeinden, die sich leise und ohne große Presseauftritte vollzögen, oftmals im eins zu eins-Kontakt vor Ort, stärkend und lebensrelevant für den Einzelnen. Per Telefon, oder mit Briefen, mit Gottesdiensten to go und Andachten an der Wäscheleine vor der Kirchentür, mit offenen Kirchen und „Quatschen am Fenster“, Instrumentalmusik und Andachten auf den Innenhöfen von Seniorenheimen seien Haupt- und Ehrenamtliche nahe bei den Menschen gewesen – Kirche mitten im Quartier.

Und wenn auch nichts die persönliche Begegnung ersetzen könne, habe es in vielen Gemeinden und Jugendhäusern einen wichtigen und unübersehbaren Digitalisierungsschub gegeben: „Die einen suchend und tastend, lernend, die anderen offensiv mit Gottesdiensten, die aufgezeichnet oder live gestreamt oder als Telefon-Konferenz gehalten wurden und oft sogar sehr schön musikalisch begleitet wurden.“ Woche für Woche sei die Gehörlosengemeinde im Einsatz gewesen, um die Predigten von Video-Gottesdiensten in die Gebärdensprache zu dolmetschen oder eigene Video-Impulse für gehörlose und Menschen zu veröffentlichen. Gerade für Menschen mit Behinderung sei die Pandemie eine besondere Belastung: Einerseits gehörten sie oft zur Corona-Risikogruppe und müssten deshalb besonders geschützt werden. Andererseits litten sie sehr darunter, dass Angebote zur sozialen Teilhabe wie Freizeitgruppen oder Urlaubsreisen in diesem Jahr kaum stattfinden konnten.

Eine besondere Herausforderung sei nicht zuletzt die schnelle Reaktion auf die vielen, oft sehr kurzfristigen Bestimmungen und Verordnungen von staatlicher und kirchlicher Seite und ihre nicht immer eindeutige Interpretation gewesen. Sie habe deshalb großen Respekt davor, wie es gelungen sei, in kürzester Zeit differenzierte Schutzkonzepte zu erstellen und diese überdies immer wieder neu an die aktuellen Gegebenheiten anzupassen – ob für Kirchen und Gemeindezentren, in der Jugendarbeit und bei der Aktion Menschenstadt, für den Religionsunterricht und in der Altenheim- und der Krankenhausseelsorge. Gleichwohl – für eine endgültige Bilanz des kirchlichen Handelns in der Corona-Zeit sei es zu früh, sie könne frühestens erst nach dem Ende der Krise und vielleicht auch erst im Rückblick von nachfolgenden Generationen gezogen werden. „Solange bleiben wir in Essen weiter auf der Suche nach Wegen hin zu Gott und zu den Menschen, mit ‚aufrichtigen Gebeten und verantwortlichen Taten‘, wie es Dietrich Bonhoeffer formuliert hat.“

WEITERE MITTEILUNGEN, BERICHTE UND BESCHLÜSSE

Reformationsfest und Neujahrsempfang. Angesichts der weiterhin hohen Infektionszahlen werde der Kirchenkreis in diesem Jahr am 31. Oktober kein zentrales Reformationsfest feiern, teilte die Superintendentin mit. Sie bitte alle Gemeinden zu prüfen, in welcher Form das Thema der Reformation vor Ort aufgegriffen werden könne, zum Beispiel in den Gottesdiensten am Reformationswochenende. Auch auf den traditionellen Neujahrsempfang zur Begrüßung des neuen Kirchenjahres müsse verzichtet werden; ein digitales Grußwort sei in Vorbereitung.

Öffentlichkeitsarbeit. Manches Suchen und Ausprobieren der vergangenen Zeit hat bereits zu konkreten Veränderungen geführt. Ein Beispiel sei die Öffentlichkeitsarbeit, wie die Superintendentin erläuterte: Während der Corona-Pandemie habe sich einmal mehr erwiesen, wie wichtig es sei, die Herausforderung, die sich aus der Digitalisierung der Kommunikation ergebe, bewusst anzunehmen. Auf der Basis einer intensiven Evaluation habe der Kreissynodalvorstand entschieden, die zunächst befristet aus Haushaltsmitteln eingerichtete halbe Stelle eines PR-Referenten für die sogenannten Sozialen Medien zu entfristen. Marion Greve: „Damit konnten ein wichtiges Ergebnis unserer Kirchenkreiskonzeption und der daraus folgende, zukunftsweisende Beschluss unserer Kreissynode aus dem Jahr 2016 zur Stärkung der Kommunikation erfolgreich umgesetzt werden.“

Finanzen. Eigentlich hätten die von der Landessynode im Januar beschlossene starke Absenkung landeskirchlicher Umlagen, vor allem der Versorgungs- und Beihilfesicherungsumlage, sowie die Auswirkungen einer vorausschauenden Haushaltsführung zu einer relativ positiven Einschätzung der Finanzsituation von Kirchenkreis und Gemeinden in den nächsten zwei, drei Jahren führen sollen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie haben diesen optimistischen Blick jedoch nachhaltig getrübt. Zurzeit geht der Finanzausschuss davon aus, dass das Kirchensteueraufkommen in diesem Jahr um 12,5 Prozent unter dem des Vorjahres liegen wird. Dank einer für diese Zwecke gut gefüllten Ausgleichsrücklage bleiben die beschlossenen Zuweisungen an die Dienste und Einrichtungen des Kirchenkreises und die 26 Kirchengemeinden aller Voraussicht nach in diesem Jahr stabil. Weil zurzeit aber damit gerechnet wird, dass das Kirchensteueraufkommen auch im nächsten Jahr – trotz der erwarteten Verbesserung der wirtschaftlichen Situation – immer noch um rund 5 Prozent unter dem Aufkommen des Jahres 2019 liegen wird, bleibt das Ziel, die Zuweisungen so lange wie möglich auf dem bisherigen Niveau zu halten und gleichzeitig die für 2020 erforderliche Entnahme aus der Ausgleichsrücklage wieder zu kompensieren, eine Herausforderung für die kommende Haushaltsplanung. Die Beratungen darüber bilden wie üblich einen Schwerpunkt auf der Herbstsynode des Kirchenkreises im November.

Gemeindeübergreifende Dienste des Kirchenkreises. Der Kirchenkreis hat in einem breit angelegten Prozess der „Zukunftsausrichtung der Gemeindeübergreifenden Dienste“ unter anderem auch Sparziele formuliert. Vorschläge für die Umsetzung der entsprechenden Ziele werden seit Dezember letzten Jahres von entsprechend eingerichteten Expertengruppen erarbeitet. Assessor Heiner Mausehund erstattete den Synodalen dazu einen Zwischenbericht; die Ergebnisse der Expertengruppen werden auf der Herbstsynode im November vorgestellt.

Schulreferat/Religionsunterricht an allgemeinbildenden Schulen. Zur nachhaltigen Sicherung und Entwicklung der kirchlichen Unterstützungssysteme im schulischen Bildungswesen legt die Landeskirche den Kirchenkreisen die Vereinbarung von regionalen Kooperationsräumen nahe und akzentuiert die Arbeitsteilung zwischen Landeskirchenamt, Pädagogisch-Theologischem Institut der Landeskirche und den Schulreferaten neu. Vor diesem Hintergrund hat die Kreissynode beschlossen, mit den Kirchenkreisen an der Ruhr und Oberhausen eine dauerhafte Kooperation einzugehen und am 1. Februar 2021 ein gemeinsames Schulreferat mit Dienst- und Verwaltungssitz in Essen zu gründen. Das neue „MEO-Schulreferat“ wird über einen Stellenumfang von 1,3 Pfarrstellen, eine gemeinsame Mediathek und ein gemeinsames Sekretariat im Umfang von 15 Wochenstunden. Nach der Pensionierung des bisherigen Essener Schulreferenten, Pfarrer Dietmar Klinke, im November dieses Jahres wird seine Stelle am 1. Februar mit Pfarrer Alexander Maurer (bisher Inhaber einer kreiskirchlichen Pfarrstelle zur Erteilung von Religionsunterricht an der Gesamtschule Bockmühle) in vollem Umfang neu besetzt. Im Kirchenkreis An der Ruhr wird der restliche Pfarrstellenanteil im Umfang von 0,3 zum selben Zeitpunkt neu besetzt. Der Kirchenkreis Essen beteiligten sich anteilig an den Personal- und Sachkosten. Der nötige Konzeptionsprozess wird durch einen gemeinsamen Ausschuss begleitet.

Ökumenische Partnerschaften des Kirchenkreises Essen. Die Kreissynode hat beschlossen, die bestehenden ökumenischen Partnerschaften mit dem Andreas-Kukuri-Zentrum der Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Republik Namibia und der Diözese Brno der Tschechoslowakisch-Hussitischen Kirche fortzusetzen. Beide Partnerschaften zeichnen sich durch lebendige wechselseitige Begegnungen aus, die intensiviert werden sollen; dafür soll ein Trägerkreis geschaffen werden. Die ökumenische Partnerschaft mit dem Kirchenkreis Mondombe der Kirche der Jünger Christi im Kongo und mit dem Internat Girideephti der Mar Thoma Kirche in Indien werden beendet, weil es zu diesen Institutionen keine lebendigen und tragfähigen Kontakte gibt. Die finanzielle Unterstützung wird in den nächsten Jahren schrittweise reduziert und danach eingestellt. Die Erlöserkirchengemeinde Holsterhausen und ihr Familienzentrum „Vielfalthaus“ prüfen, ob sie die Partnerschaft mit dem Internat Girideephti in der Form einer Patenschaft fortführen wollen.

Innovationsfonds. Ein Ergebnis der Einführung der neuen Kirchenkreiskonzeption, die im November 2016 verabschiedet wurde, war die Einrichtung eines Innovationsfonds zur Unterstützung beispielgebender Projekte mit einer Gesamtsumme in Höhe von 1 Million Euro (Internet: http://konzeption.kirchenkreis-essen.de/). In der fünften Phase zur Beantragung von Mitteln aus dem Innovationsfonds des Kirchenkreises, die am 31. Dezember 2019 endete, wurden fünf Projekte für eine Förderung vorgeschlagen. Drei von ihnen wurden bewilligt: Das Projekt „Grüner Kurierdienst – Evangelisch in Essen“ trägt mit der Anschaffung eines E-Autos und eines E-Bikes für Kurier- und Dienstfahrten zu einem umweltfreundlichen Kirchenkreis bei (Laufzeit: 3 Jahre; Fördersumme: 23.150 Euro). „An(ge)kommen im Stadtteil – im Quartier zusammenleben“ hat den Aufbau interkultureller Männergruppen zum Ziel (Laufzeit: 2 Jahre; Fördersumme: 23.150 Euro). „Lebensspuren begleiten – Aus- und Fortbildung in Seelsorge für Ehrenamtliche“ will Ehrenamtliche durch eine qualifizierte Ausbildung dazu befähigen, Menschen in Krankenhäusern, Seniorenheimen und Kirchengemeinden seelsorglich zu begleiten (Laufzeit: 3 Jahre; Fördersumme: 129.860 Euro).

Abordnungen des Kirchenkreises Essen in die Landessynode. In der Landessynode, dem Kirchenparlament der Evangelischen Kirche im Rheinland, ist der Kirchenkreis durch vier nichttheologische und zwei theologische Abgeordnete vertreten. Die Abordnungen wurden in einem Online-Wahlverfahren, ihre Stellvertretungen auf der Zoom-Kreissynode gewählt. Nachfolgend die Ergebnisse - Abgeordnete jeweils in alphabetischer Reihenfolge, Stellvertretungen entsprechend der erhaltenen Stimmen, alle mit Gemeindezugehörigkeit.

Nichttheologische Abgeordente - Frauen:
Ulrike Bauza, Altenessen-Karnap
Zoe Stelzner, Kettwig

Nichttheologische Abgeordnete - Männer:
Thomas Caspers-Lagoudis, Überruhr
Karsten Herfort, Altenessen-Karnap

Nichttheologische Abgeordnete - Stellvertretungen:
1. Stellvertretung: Annette Raatz, Altenessen-Karnap
2. Stellvertretung: Henning Aretz, Bergerhausen
3. Stellvertretung: Kirsten Kalweit, Kupferdreh
4. Stellvertretung: Alexander Schuhmann, Bedingrade-Schönebeck

Theologische Abgeordnete - Frauen:
Pfarrerin Juliane Gayk, Königssteele

Theologische Abgeordnete - Männer:
Pfarrer Johannes Heun, Königssteele

Theologische Abgeordnete - Stellvertretungen:
1. Stellvertretung: Pfarrerin Annette Stolte, Frohnhausen
2. Stellvertretung: Pfarrerin Ellen Kiener, Altenessen-Karnap

Mit Gebet und Segen wurde die Kreissynode durch Superintendentin Marion Greve beendet. Da der Eröffnungsgottesdienst und somit auch die sonst übliche Sammlung einer Kollekte entfallen ist hat Marion Greve die Synodalen um eine Spende für den Corona-Nothilfefonds der Hilfsorganisation medica mondiale e.V. gebeten.

STICHWORT: KREISSYNODE

Die Kreissynode ist das Kirchenparlament des Kirchenkreises. Sie ist für Grundsatzentscheidungen über die Zielsetzung, Planung und Durchführung der Arbeit im Kirchenkreis zuständig, verabschiedet die Haushaltspläne für den Kirchenkreis, kann Arbeitsbereiche aufheben und einrichten und trägt formell die Gesamtverantwortung. Die Essener Kreissynode besteht aus 157 gewählten oder berufenen Delegierten, die aus den 26 Kirchengemeinden, Referaten, Diensten und Einrichtungen des Kirchenkreises entsendet werden und zweimal im Jahr zu ordentlichen Tagungen zusammenkommen.

Zwischen den beiden Tagungen wird der Kirchenkreis durch einen Kreissynodalvorstand geleitet, dessen Mitglieder alle vier Jahre jeweils zur Hälfte durch die Kreissynode gewählt werden. Den Vorsitz von Kreissynode und Kreissynodalvorstand hat die Superintendentin des Kirchenkreises, Marion Greve, inne.

 

 

 

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