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Ich bitte Sie um Zeichen der Anteilnahme und Solidarität

Essener Superintendentin Marion Greve schreibt an die Gemeinden

(Essen, 29.10.2020) Angesichts der weitreichenden Beschlüsse von Bundesregierung und Ministerpräsidenten zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie ruft Superintendentin Marion Greve dazu auf, in den nächsten Gottesdiensten vor allem an Menschen zu denken, die besonders von der aktuellen Entwicklung betroffen sind. "Vielleicht ist es ja sogar möglich, ihnen in den kommenden Tagen den Text Ihrer Fürbitte oder ein anderes Zeichen der Anteilnahme und der Solidarität zu übermitteln", erklärt die leitende Repräsentantin der Evangelischen Kirche in Essen.

Nachfolgend dokumentieren wir ihr Schreiben an die Gemeinden, Dienste und Einrichtungen des Kirchenkreises im Wortlaut. Es wurde am 29. Oktober - noch vor der Veröffentlichung der neuen Corona-Schutzverordnung für das Land Nordrhein-Westfalen - verfasst. Mittlerweile steht fest: Gottesdienste können weiter stattfinden; alle anderen Veranstaltungen, Gruppentreffen und der Konfirmandenunterricht in Präsenz entfallen mindestens bis zum 30. November. Die offene Jugendarbeit kann unter besonderen Bedingungen weiter stattfinden.

Liebe Schwestern und Brüder,
sehr geehrte Damen und Herren!

Sicher stehen Sie in Ihren Gemeinden, Diensten und Einrichtungen derzeit unter dem Eindruck der Beschlüsse, mit denen die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten gestern auf die anhaltende Ausbreitung des Corona-Virus innerhalb der Bevölkerung reagiert haben.

Für uns Kirchen bedeutet dies zunächst jedoch wie schon des Öfteren: Einiges ist bereits eindeutig, anderes muss noch offen bleiben – solange, bis die die neue Corona-Schutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen veröffentlicht wurde. Damit ist aber bereits morgen zu rechnen. Von Dr. Johann Weusmann, dem Vizepräsident unserer rheinischen Kirche, wissen wir, dass er uns über die Konsequenzen daraus umgehend informieren wird.

Trotzdem schreibe ich Ihnen heute diese Mail, um Ihnen zu zeigen, dass wir uns intensiv mit den Folgender getroffenen Beschlüsse beschäftigen, dass wir wie Sie auf weitere Informationen und Vorgaben warten, die wir an Sie weitergeben können, und für Ihre Anfragen offen und erreichbar sind. Was steht fest?

Die Kirchen bleiben offen

Es zeichnet sich derzeit deutlich ab – so hat es uns Präsens Manfred Rekowski gestern in der Konferenz der Superintendent*innen bereits ausdrücklich mitgeteilt – dass alle Gottesdienste und Andachten in unseren Kirchen weiterhin, also auch den ganzen November hindurch, stattfinden können. Die Gespräche mit dem Ministerpräsidenten, die bereits vor der gestrigen Runde in Berlin stattgefunden haben, aber auch entsprechende Äußerungen der Bundeskanzlerin deuten darauf hin, dass sie nach Möglichkeit – überall dort, wo es vom jeweiligen Presbyterium verantwortet werden kann – sogar weiterhin stattfinden SOLLEN. Die Kirchen sollen offen bleiben. Das ist eine Aussage, mit der wir rechnen können.

Dies ist so auch deshalb möglich, weil unsere (nicht alle!) Gottesdienste bislang überhaupt nicht als sogenannte Hotspots für Corona-Infektionen gelten – weil die Abstands- und Hygieneregelungen und die aufgestellten Schutzkonzepte vorbildlich sind und konsequent umgesetzt werden. Dafür möchte ich Ihnen an dieser Stelle besonders danken.

Regelungen für andere Veranstaltungen in Kirchen, Gemeindehäusern und Gemeindezentren

Was die vielen kleinen und größeren Veranstaltungen angeht, die in unseren Gemeinderäumen geplant sind, kann ich Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts Konkretes mitteilen. Auch hier gilt es, die neue Corona-Schutzverordnung für Nordrhein-Westfalen abzuwarten. Persönlich gehe ich aber davon aus, dass zahlreiche Veranstaltungen und Treffen, die der kulturellen Bildung, der Freizeitgestaltung oder der Unterhaltung dienen, nicht stattfinden können.

Wir haben heute in unserer Leitungsrunde auch noch einmal über die Verpflichtung zum Tragen einer Mund-Nase-Schutzbedeckung gesprochen und empfehlen Ihnen hiermit dringend, dafür Sorge zu tragen, dass in Ihren Kirchen, Gemeindehäusern und Gemeindezentren, ob bei Gottesdiensten, Gruppentreffen oder Konzerten und auch bei allen Besprechungen und Sitzungen, wenn sie schon nicht per Zoom durchgeführt werden können – immer also dort, wo Menschen aus mehr als zwei Haushalten in einem Raum zusammentreffen – durchgängig eine Mund-Nasen-Schutzbedeckung getragen und auch nicht mehr am eigenen Sitzplatz abgelegt wird. Auch wir hier im Haus der Evangelischen Kirche verfahren so.

Veranstaltungen auf öffentlichen Straßen und Plätzen

Zu den noch offenen Fragen gehört, in welcher Form Veranstaltungen im öffentlichen Raum in der Advents- und Weihnachtszeit möglich sein werden: Welche Formen sind zulässig und wo gibt es eventuell eine grundsätzliche Erlaubnis oder müssen sie immer einzeln beantragt werden? Falls das der Fall ist, bei wem? Diese Fragen wurden in der Weihnachts-Werkstatt unseres Pfarrkonventes gestellt und dazu haben uns auch heute wieder Rückfragen aus Kirchengemeinden erreicht.

Was feststeht: Auf der Grundlage der gestern getroffenen Beschlüsse wären wahrscheinlich weder Adventskonzerte auf öffentlichen Straßen und Plätzen noch Gottesdienste und Andachten auf städtischen Schulhöfen oder in Parkanlagen möglich. Was nach dem 30. November eventuell dann doch wieder zusätzlich möglich sein wird, müssen wir abwarten – das kann niemand heute schon beantworten.

An Menschen denken, die jetzt besonderen Trost und Ermutigung brauchen

In unseren Kirchen können – mit der zulässigen Höchstzahl an Teilnehmer*innen – weiterhin Gottesdienste und Andachten gefeiert werden. Wir können uns vor dem Altar versammeln und gemeinsam auf Gottes Wort hören, können zusammen beten und Fürbitte halten. Und darum bitte ich Sie herzlich:

Schauen Sie sich in Ihrer Gemeinde, Ihrem Stadtteil um. Wo sind Menschen durch die getroffenen Beschlüsse, durch die aktuelle schwierige Situation besonders belastet? Wo bangen Menschen um ihre Zukunft und die ihrer Familien, wo haben sie Angst um ihren Arbeits- oder Ausbildungsplatz? Wo gibt es Firmen, die von einer Insolvenz bedroht oder schon betroffen sind? Wo bangen Menschen in Krankenhäusern oder Heimen, fürchten Kontaktverluste und Einsamkeit oder – als Mitarbeiter*in in einer dieser Einrichtungen – eine Arbeitsbelastung, die ihre persönliche Kraft übersteigt?

Unsere Kirchen sollen offen bleiben, weil sie Orte des Trostes, der Ermutigung und der Hoffnung sind. Deshalb bitte ich Sie, Menschen, die dessen gerade jetzt besonders bedürftig sind, in die Fürbitten Ihrer Gottesdienste und Andachten aufzunehmen. Vielleicht ist es ja sogar möglich, ihnen in den kommenden Tagen den Text Ihrer Fürbitte oder ein anderes Zeichen der Anteilnahme und der Solidarität zu übermitteln.

Bis zu meinem nächsten Schreiben grüße ich Sie herzlich,

bleiben Sie behütet!

Marion Greve
Superintendentin

Foto: Till Schwachenwalde

 

 

 

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