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Umkehr zu besseren Verhältnissen und neuen Perspektiven

Der Buß- und Bettag tut uns gut

(Essen, 17.11.2020) „Buße“ zielt auf Besserung, auf Umkehr zu intakteren Verhältnissen und weiterführenden Perspektiven. In unserer Video-Andacht spricht Pfarrer Uwe Matysik, Klinikseelsorger in den Kliniken Essen-Mitte (KEM), über die Aktualität des Buß- und Bettags - gerade auch in Zeiten von Corona.





Übertragung in Gebärdensprache:





Die Andacht im Wortlaut:
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Willkommen hier in der Essener Marktkirche!

Buß- und Bettag – klingt das nicht wie aus der Zeit gefallen? Und zumindest ein bisschen verstaubt und auch befremdlich moralisch!?

Manchmal spricht man von „Verkehrs-“ oder „Kaloriensündern“. Darum geht es in den entsprechenden biblischen Zusammenhängen zwar nicht. Und es ist auch nicht mein Thema jetzt.

Aber vielleicht steckt dahinter die Ahnung, dass wir uns selbst manchmal so verhalten, dass es uns nicht gut tut; dass wir uns und anderen schaden.

Interessant: Im Neuen Testament heißt das Wort, dass für „Sünde“ verwandt wird, auch: etwas verfehlen, daneben gehen - wie bei einem Schützen, der sein Ziel nicht trifft.

Das kommt doch vor, im übertragenen Sinn, im persönlichen wie im beruflichen Bereich: Worte, die danebengehen, die Missverständnisse auslösen oder wirklich verletzen; Verhaltensweisen, Verhaltensmuster, die anderen oder einem selbst Schaden zufügen. Das passiert nicht rund um die Uhr – aber wenn, dann hat es ungute oder sogar schwerwiegende Folgen.

Wenn in der Bibel von „Sünde“ und von der Chance der „Buße“ gesprochen wird, dann nicht, um Menschen klein zu machen oder ungesunden Perfektionsanforderungen auszusetzen.

Jesus vermittelt ja nicht einen abweisenden Gott, der Menschen die kalte Schulter zeigen würde; sondern den, der entgegenkommend ist und Menschen, bildlich gesprochen, mit offenen Armen empfangen möchte.

Darum geht es bei der Buße doch: sich nicht zu verhärten, sondern zu öffnen; bereit sein zu sagen: „das tut mir leid; bitte entschuldige. Mist, dass das so gelaufen ist, dass ich mich da so verhalten habe – das soll nun nicht mehr zwischen uns stehen!“

Wenn Menschen Dinge ausräumen, die Distanz verursachen oder die blockieren - und sich stattdessen die Hände reichen, ist das befreiend und wohltuend und es entsteht Platz für besseres Miteinander.

„Buße“ zielt auf Besserung, auf Umkehr zu intakteren Verhältnissen und weiterführenden Perspektiven.

Buße als sich Abwenden von dem, was in Sackgassen führt und Wege in die Zukunft verengt, das ist auch ein öffentliches Thema. Was kann es heißen, aus der Corona-Pandemie zu lernen?

Wie viele andere denke ich auch: „Buße“ bedeutet hier vor allem: Verabredungen und Entscheidungen zu treffen, die das Gemeinwohl und das Überleben der Schöpfung zum Ziel haben. Interessant: Papst Franziskus sprach in diesem Zusammenhang von „sozialer Freundschaft“; davon, dass wir Menschen nur als „globale Geschwistergemeinschaft“ den weltweiten Herausforderungen begegnen können.

Bußtag – und Bettag. Ja, das passt, finde ich! Denn Beten bedeutet doch: Seine Gedanken und Kräfte sammeln, sie auf das hin ausrichten, was weiterbringen kann und dem Leben dienlich ist. Gott bitten, dass Er präsent ist und uns immer wieder geistesgegenwärtig macht. Dann brauchen uns Verunsicherung und offene Fragen nicht zu lähmen.

Einer der für dieses Datum Buß- und Bettag empfohlenen Bibeltexte ist der 51. Psalm: „Schaffe du, Gott, in mir ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist.“ (Ps. 51, 12)

Diese Worte sind selbst ein Gebet. Ich nehme sie gerne auf und lade Sie zu einem kurzen Gebet ein:

„Lebendiger Gott, in der Tat: Deinen Geist können wir sehr gut gebrauchen. Gib uns mit ihm Klarheit und Beständigkeit. Stärke unsere Herzen und Gedanken, uns auf das auszurichten, was konstruktiv und heilsam ist.

Und wir können Gedanken von Dietrich Bonhoeffer aufnehmen, wie er den christlichen Glauben verstanden hat: Dass, Gott, mit deiner Hilfe auch aus Schwierigstem und sogar aus Bösem tatsächlich Gutes entstehen kann; dass Du auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartest und antwortest.“

Um Gottes Segen bitten wir:

Es segne, stärke und behüte uns der lebendige und verbindliche Gott, Er schenke uns seine Liebe, seine Begleitung und seinen Frieden.

Amen.

 

 

 

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